<< Ich denke, es gibt keinen erbärmlicheren Augenblick im Leben eines Menschen, als den, wenn dir erst ein Schwall Kotze aus der Nase schießt und dir plötzlich die Zahnbürste im Schlund steckt und du verzweifelt um Atem ringst, in der Gewissheit, dass irgendjemand deine Leiche in einer stinkenden Lache aus Erbrochenem finden wird, wenn du das Ding nicht schleunigst irgendwie herausziehen kannst. Noch peinlicher wäre es wahrscheinlich nur, an einem O.B. zu ersticken. Nach jahrelanger Übung kann ich mich übrigens mittlerweile auf Befehl übergeben.
Ich hasste mich für meine Schwäche. Der saure Geruch von Kotze begleitete mich überallhin. Damit meine Eltern keinen Verdacht schöpften, schüttete ich literweise Shampoo in die Toilette um den Gestank zu überdecken.
Ich hasste mich für meine Schwäche. Der saure Geruch von Kotze begleitete mich überallhin. Damit meine Eltern keinen Verdacht schöpften, schüttete ich literweise Shampoo in die Toilette um den Gestank zu überdecken.
Ich wünschte mir nichts mehr, als magersüchtig zu sein, nie mehr essen zu müssen. Ich bewunderte die Willenskraft derer, die sich zu Tode hungern, ich dagegen war schwach und ekelerregend.
Mein Gesicht war aufgedunsen, ich hatte beständig Magenschmerzen, Mundgeruch, Konzentration war ein Fremdwort geworden, eine unendliche Erschöpfung hatte Besitz von mir ergriffen. Es verging kein Tag mehr, ohne dass ich mich im wahrsten Sinne des Wortes besinnungslos fraß um mich hinterher zu übergeben, meist mehrmals täglich. Meine Tagesverfassung war gewichtsabhängig, ein halbes Kilo weniger oder mehr war ausschlaggebend für Hochgefühle oder schwere Depression - die Waage ein Gradmesser meiner Verzweiflung.
Das Einzige was mich, abgesehen von essen noch aufrecht erhielt, war, so paradox es klingen mag, der dringende Wunsch zu sterben. Nächtelang hielt mich der Gedanke an Selbstmord wach und ritzte mir mit Rasierklingen ins Fleisch, zumindest Schmerz konnte ich noch empfinden.
Andere Lebensinhalte hatte ich nicht mehr. Nun, vielleicht noch das Bedürfnis nach menschlicher Nähe.
Andere Lebensinhalte hatte ich nicht mehr. Nun, vielleicht noch das Bedürfnis nach menschlicher Nähe.
Was es war, dass mich am Leben erhielt, kann ich nicht beurteilen. Möglicherweise gibt es doch so etwas wie einen Lebenswillen, der unter all der Selbstverachtung und dem tiefempfundenen Haß für die eigene Person schlummert.
Meine Ängste und die Einsamkeit ertränkte ich in Alkohol, oft auch in der Absicht nie wieder aufzuwachen.
An schlechten Tagen wage ich es nicht die Wohnung zu verlassen, weil ich mich fühle wie ein gestrandetes Walross, ein wirklich häßliches noch dazu. Ich habe Angst vor fremden Menschen, Angst davor ausgelacht zu werden.
Die Bulimie hat mich neben der Kunst des Verschleierns auch in der hohen Kunst des Fassadenbaus unterwiesen. Innerlich allerdings bin ich leer - wie eine Wursthaut ohne Fülle. Mich bis zum Anschlag mit Essen vollzustopfen, ist meine einzige Möglichkeit mich lebendig zu fühlen. Letztlich denke ich jedoch, dass der Auslöser für diese Krankheit aus der Unfähigkeit resultiert, mit bestimmten Emotionen umzugehen.
Ich für meinen Teil kotze mir die sprichwörtliche Seele aus dem Leib, weil mich die Sehnsucht nach menschlicher Nähe, Akzeptanz und Gefühlen, aber gleichzeitig die panische Angst davor innerlich zerreisst.
Bulimie ist eine zerstörerische Sucht, die nicht nur die Betroffene / den Betroffenen sowohl nervlich als auch gesundheitlich und finanziell zugrunde richtet, sondern Familien, Partnerschaften und Freundschaften auseinander reissen kann, der Leidensdruck ist auch für Angehörige beinahe unerträglich.
Essstörungen sind zwar mittlerweile als Gesprächsthema salonfähig geworden, dennoch haftet ihnen ein großes Tabu an, die Dunkelziffer der Betroffenen ist enorm. Die wenigsten Bulimikerinnen bekennen sich offen zu ihrer Krankheit, aus der Befürchtung heraus für psychisch abnormal, nicht liebenswert, abstoßend gehalten zu werden. Dabei lebt diese Krankheit gerade von der Heimlichtuerei, darüber sprechen zu können, nimmt ihr viel von ihrem Schrecken. >>
Essstörungen sind zwar mittlerweile als Gesprächsthema salonfähig geworden, dennoch haftet ihnen ein großes Tabu an, die Dunkelziffer der Betroffenen ist enorm. Die wenigsten Bulimikerinnen bekennen sich offen zu ihrer Krankheit, aus der Befürchtung heraus für psychisch abnormal, nicht liebenswert, abstoßend gehalten zu werden. Dabei lebt diese Krankheit gerade von der Heimlichtuerei, darüber sprechen zu können, nimmt ihr viel von ihrem Schrecken. >>
(aus: http://www.fm5.at/Sich%20die%20Seele%20aus%20dem%20Leib%20kotzen/)
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Bulimie bedeutet…
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Bulimie bedeutet…
(von Alina Jeremin)
Bulimie ist nicht einfach nur ein bisschen zuviel essen und dann aus Reue kotzen.
Bulimie ist nicht einfach nur eine Phase, die von alleine vergeht.
Bulimie ist nicht einfach nur ein bisschen krank sein, zum Doktor gehen, und gesund herauskommen.
Bulimie ist Sterben, und doch Weiterleben.
Bulimie ist Aufgeben, und doch Weiterkämpfen.
Bulimie ist keine Disziplinlosigkeit. Bulimie ist absoluter Kontrollverlust.
Bulimie ist nicht ein 2. und 3. mal nachschenken. Bulimie ist ein Wochenvorrat von sämtlichen Nahrungsmitteln, Resten bis hin zu rohen Lebensmitteln, wenn nichts mehr den Wahn sättigen kann.
Bulimie ist nicht zum Klo zu rennen, um sich schnell wieder des Essens zu entledigen. Bulimie ist zum Bad zu kriechen, zu hoffen, dort auch anzukommen, bevor der pralle und schmerzende Magen platzt.
Bulimie ist nicht nur den Finger in den Mund stecken, und alles wieder loswerden. Bulimie ist die Hand fast bis zum Gelenk und noch weiter in den Rachen zu schieben, weil sich der Magen nahezu weigert, auch nur irgendeines seiner erworbenen Lebensmittel wieder rauszurücken.
Bulimie ist nicht sich nach erfolgreichem Übergeben zufriedenzustellen. Bulimie ist sich anschließend wieder auf die Waage zu kämpfen, um zu überprüfen, ob nun wirklich kein Gramm mehr angezeigt ist.
Bulimie ist nach langem Dahinvegetieren endlich wieder Gefühle zeigen, denn Bulimie ist endlich weinen können.
Bulimie ist eine Konzentration der großen, weiten, gefährlichen und furchteinflößenden Welt auf eine Welt der simplen Mathematik, die berechenbar wird.
Bulimie wird in eine überschaubare Welt von Kalorienzählen, Waageanzeigen, Sportminuten und Dauer der eingenommenen Lebensmittel bis hin zur Verdauung unterteilt. Bulimie ist das Wissen der Naturgesetze, wie etwa dass Schokolade keine halbe Stunde benötigt, bis der Körper die Kalorien aufgenommen hat.
Bulimie bedeutet Streß, Zeitdruck und damit das Trainieren der Organisation.
Bulimie bedeutet Timen, wann man alleine und ungestört ist, wieviel man in welchem Zeitraum essen kann, wann man anfangen muss, es wieder loszuwerden, wie lange sich die Dauer der Entledigung ziehen kann, wie oft sich die Prozedur wiederholt.
Bulimie bedeutet nicht, irgendwann mit erhobenem Zeigefinger von Mitmenschen zur Besserung ermahnt zu werden. Bulimie bedeutet, irgendwann von seinen Schwestern auf dem Flur zwischen Küche und der bereits offenen Badezimmertür gefunden zu werden. Bewusstlos liegend, inmitten von Blut und Erbrochenem.
Bulimie bedeutet, als letzten Gedanken vor der Ohnmacht nur jene Angst zu haben, es nicht mehr rechtzeitig zu schaffen, diesen schweren Klumpen aus dem Magen zu befördern.
Bulimie bedeutet als einzige Angst zu haben, als fettes Schwein beerdigt zu werden.
Bulimie bedeutet, jede Hilfe abzulehnen, die einem angeboten wird. Bulimie bedeutet jede Hilfe als Zerstörung der schönen, kleinen, simplen Mathematik-Welt anzusehen.
Bulimie bedeutet auch Angst vor dieser Mathematik-Welt – davor, dass man nicht weiß, wieviele Kalorien man nun aufgenommen hat, Angst davor, nicht zu wissen, was die Waage als nächstes anzeigt.
Bulimie bedeutet, jede Zahl auf der Waage als Niederlage zu sehen, wenn sie größer ist, als erhofft. Jede Zahl, die größer als Null ist, ist eine Niederlage.
Bulimie bedeutet vom Arzt gesagt zu bekommen, dass jeder weitere Rückfall, die unmittelbare Ursache eines Herzinfarkts sein könnte… und irgendwann auch sein wird.
Bulimie bedeutet sich diese Gefahr immer vor Augen zu halten, wenn man beschließt, doch eine Kleinigkeit gegen den quälenden Hunger zu essen.
Bulimie bedeutet zu wissen, dass jeder Bissen einen erneuten Fressanfall auslösen kann.
Bulimie bedeutet sich langsam bewusst zu machen, dass jeder Bissen zum Mord an sich führen könnte.
Bulimie bedeutet zu ahnen, dass während des Schreibens dieser Zeilen, eine andere Person sich zum ersten Mal den Finger in den Hals steckt, um einen Kuchen, den man zuviel verdrückt hat, wieder loszuwerden.
Bulimie bedeutet Einsamkeit und Isolation. Bulimie bedeutet, mit niemandem darüber reden zu können, schweigen zu müssen.
Bulimie ist nicht einfach nur eine Phase, die von alleine vergeht.
Bulimie ist nicht einfach nur ein bisschen krank sein, zum Doktor gehen, und gesund herauskommen.
Bulimie ist Sterben, und doch Weiterleben.
Bulimie ist Aufgeben, und doch Weiterkämpfen.
Bulimie ist keine Disziplinlosigkeit. Bulimie ist absoluter Kontrollverlust.
Bulimie ist nicht ein 2. und 3. mal nachschenken. Bulimie ist ein Wochenvorrat von sämtlichen Nahrungsmitteln, Resten bis hin zu rohen Lebensmitteln, wenn nichts mehr den Wahn sättigen kann.
Bulimie ist nicht zum Klo zu rennen, um sich schnell wieder des Essens zu entledigen. Bulimie ist zum Bad zu kriechen, zu hoffen, dort auch anzukommen, bevor der pralle und schmerzende Magen platzt.
Bulimie ist nicht nur den Finger in den Mund stecken, und alles wieder loswerden. Bulimie ist die Hand fast bis zum Gelenk und noch weiter in den Rachen zu schieben, weil sich der Magen nahezu weigert, auch nur irgendeines seiner erworbenen Lebensmittel wieder rauszurücken.
Bulimie ist nicht sich nach erfolgreichem Übergeben zufriedenzustellen. Bulimie ist sich anschließend wieder auf die Waage zu kämpfen, um zu überprüfen, ob nun wirklich kein Gramm mehr angezeigt ist.
Bulimie ist nach langem Dahinvegetieren endlich wieder Gefühle zeigen, denn Bulimie ist endlich weinen können.
Bulimie ist eine Konzentration der großen, weiten, gefährlichen und furchteinflößenden Welt auf eine Welt der simplen Mathematik, die berechenbar wird.
Bulimie wird in eine überschaubare Welt von Kalorienzählen, Waageanzeigen, Sportminuten und Dauer der eingenommenen Lebensmittel bis hin zur Verdauung unterteilt. Bulimie ist das Wissen der Naturgesetze, wie etwa dass Schokolade keine halbe Stunde benötigt, bis der Körper die Kalorien aufgenommen hat.
Bulimie bedeutet Streß, Zeitdruck und damit das Trainieren der Organisation.
Bulimie bedeutet Timen, wann man alleine und ungestört ist, wieviel man in welchem Zeitraum essen kann, wann man anfangen muss, es wieder loszuwerden, wie lange sich die Dauer der Entledigung ziehen kann, wie oft sich die Prozedur wiederholt.
Bulimie bedeutet nicht, irgendwann mit erhobenem Zeigefinger von Mitmenschen zur Besserung ermahnt zu werden. Bulimie bedeutet, irgendwann von seinen Schwestern auf dem Flur zwischen Küche und der bereits offenen Badezimmertür gefunden zu werden. Bewusstlos liegend, inmitten von Blut und Erbrochenem.
Bulimie bedeutet, als letzten Gedanken vor der Ohnmacht nur jene Angst zu haben, es nicht mehr rechtzeitig zu schaffen, diesen schweren Klumpen aus dem Magen zu befördern.
Bulimie bedeutet als einzige Angst zu haben, als fettes Schwein beerdigt zu werden.
Bulimie bedeutet, jede Hilfe abzulehnen, die einem angeboten wird. Bulimie bedeutet jede Hilfe als Zerstörung der schönen, kleinen, simplen Mathematik-Welt anzusehen.
Bulimie bedeutet auch Angst vor dieser Mathematik-Welt – davor, dass man nicht weiß, wieviele Kalorien man nun aufgenommen hat, Angst davor, nicht zu wissen, was die Waage als nächstes anzeigt.
Bulimie bedeutet, jede Zahl auf der Waage als Niederlage zu sehen, wenn sie größer ist, als erhofft. Jede Zahl, die größer als Null ist, ist eine Niederlage.
Bulimie bedeutet vom Arzt gesagt zu bekommen, dass jeder weitere Rückfall, die unmittelbare Ursache eines Herzinfarkts sein könnte… und irgendwann auch sein wird.
Bulimie bedeutet sich diese Gefahr immer vor Augen zu halten, wenn man beschließt, doch eine Kleinigkeit gegen den quälenden Hunger zu essen.
Bulimie bedeutet zu wissen, dass jeder Bissen einen erneuten Fressanfall auslösen kann.
Bulimie bedeutet sich langsam bewusst zu machen, dass jeder Bissen zum Mord an sich führen könnte.
Bulimie bedeutet zu ahnen, dass während des Schreibens dieser Zeilen, eine andere Person sich zum ersten Mal den Finger in den Hals steckt, um einen Kuchen, den man zuviel verdrückt hat, wieder loszuwerden.
Bulimie bedeutet Einsamkeit und Isolation. Bulimie bedeutet, mit niemandem darüber reden zu können, schweigen zu müssen.
Aber Bulimie bedeutet für andere ja doch nur, einmal mehr keine Disziplin und aus Reue ein bisschen gekotzt zu haben.

oh man. wie wahr, wie wahr...
AntwortenLöschenwenn die Leute nur wüssten.